S4 E7 - Getrennte Elternschaft in Ausnahmesituationen
Shownotes
Weitere interessante Folgen zum Thema findet ihr hier:
Kraftakt Wechselmodell - getrennt erziehen, gemeinsam Verantwortung übernehmen
Doppelleben - Zwischen Abschied, Ankommen und ganz normalen Entwicklungen
Transkript anzeigen
00:00:00: Getrennt erziehend im Wechselmodell, Mama von für Töchtern, Oma und gerade auf dem Weg zur Organspende.
00:00:06: Ich bin Vanessa und hier sprechen wir über alles, was sonst keiner ausspricht.
00:00:10: Über Mutterschaft, Angst, Stärke, Liebe, Krisen und das echte Leben dazwischen.
00:00:16: Willkommen bei Any Questions.
00:00:18: Hi ihr Lieben, ich freue mich so riesig heute mit euch diesen Podcast zu machen, denn ich kann euch endlich ein Update geben.
00:00:26: wie unsere lebendnieren Spende von mir an meine jüngste Tochter gelaufen ist.
00:00:33: Und um es gleich auf den Punkt zu bringen, es lief einfach super.
00:00:38: Wir sind gerade dabei, uns darauf zu konzentrieren, wieder auf die Beine zu kommen, sodass wir dann ganz bald wieder nach Hause dürfen.
00:00:46: Mir persönlich geht es sogar so gut, dass ich einige Tage nach der OP schon entlassen werden konnte, viel früher als ich es überhaupt je angenommen hätte.
00:00:57: Und meine Tochter kommt jetzt hoffentlich in den nächsten Tagen auf die normale Station.
00:01:03: Gerade ist sie noch auf der Intensivüberwachungsstation.
00:01:07: Aber da sind wir auch guter Dinge, dass das ganz bald vorangeht.
00:01:13: Aktuell kann ich sie aber dabei beobachten, wie sie ihre Mortadella Brote wegschmatzt.
00:01:19: Und ich sage es euch, dass es einfach das schönste Geräusch, das sich seit so langer Zeit hören darf.
00:01:26: Und auch wenn sie endlich so viel trinkt, wie sie möchte, trinkt sie ganz oft so viel Wasser, dass sie erst mal ganz tief durchatmen muss, wenn sie ihren Becher dann wieder absetzt.
00:01:39: All das fühlt sich an wie ein wahr gewordener Traum und ich sage es euch so richtig realisiert, habe ich das immer noch nicht.
00:01:49: Trotz der Tatsache, dass es mir so gut geht, bedeutet das aber nicht, dass ich das rund um die Pflegesituation meiner Tochter jetzt alleine stemmen kann.
00:01:59: Denn nicht nur, dass ich körperlich gerade nicht vollständig belastbar bin, weil mein Körper sich einfach noch an die Arbeit oder das Leben mit nur noch einer Niere gewöhnen muss und auch meine OP-Wunden noch nicht vollständig abgeheilt sind, nein, das ist einfach eine riesige Verantwortung und unsere Tochter... genießt es daher sehr, dass wir Eltern beide für sie da sind.
00:02:27: Und ihr Lieben, genau darüber werde ich heute mit euch sprechen.
00:02:31: Es geht heute darum, was wir aus den letzten Jahren in unserem getrennten Familienmodell mitgenommen haben und gelernt haben, dass uns heute zu eben einer so entspannten Situation in einem absoluten Ausnahmezustand geholfen hat.
00:02:51: und geführt hat.
00:02:52: Ich kann euch gleich vorwegnehmen, nein, es wird hier heute nicht das Wechselmodell als heiliger Kral verkauft, überhaupt nicht.
00:03:00: Wir Familien sind alle einfach so individuell, dass jede Familie, wenn sie sich dafür entscheidet, getrennte Wege zu gehen, also alle Eltern da draußen, das ist ganz egal für welches Kehrarbeitsmodell ihr euch da entscheidet in Bezug auf eure Kinder.
00:03:19: Wichtig ist, dass ihr euch darin wohlfühlt und ihr eine echte Bindung zu euren Kindern herstellen könnt.
00:03:27: Und damit sind wir auch schon mitten im Thema, denn allem voran steht ganz oben drüber, dass wir Eltern uns ganz bewusst machen, wenn wir uns als Paar getrennt haben und so keine gemeinsame Zukunft mehr leben.
00:03:43: dass wir aber als Eltern immer noch in einem Team spielen und gemeinsam für unsere Kinder da sein wollen.
00:03:50: Wir wollen, dass unsere Kinder von uns beiden Eltern profitieren, uns beide kennen, um ihre Identität abzurunden und um sich später nicht entscheiden zu müssen.
00:04:03: Wen lade ich denn jetzt zu meiner Geburtstagsparty, zu meinem Uniabschluss, zu meiner Hochzeit, zu Taufe unserer Kinder ein?
00:04:10: Unsere Kinder sollen sich über solche Dinge als Allerletztes und am besten gar keine Gedanken machen müssen.
00:04:17: Denn die Existenz einer Beziehung kann man beenden, aber sobald man sich entschieden hat.
00:04:23: gemeinsam Familie zu gründen, ist das ein Point of no return.
00:04:28: Und das müssen wir uns vor Augen halten.
00:04:30: Wir können nicht einfach die Handynummer des anderen Elternteils mit Volljährigkeit unserer gemeinsamen Kinder löschen und so tun, als ob der andere Mensch nicht existiert.
00:04:39: Allerdings können wir unsere Elternbeziehung tatsächlich auf eine entspannte und im schönsten Falle respektvolle Team-Ebene heben.
00:04:49: Ihr Lieben, an der Stelle kann ich euch aus eigener Erfahrung berichten, dass ein entspannter Umgang und auch der Fokus auf, dass wir sind Teameltern ein langer und harter Weg ist, der nicht immer linear und steil nach oben verläuft.
00:05:06: Da gibt es Höhen und Tiefen, weil wir eben in so einem Konstrukt, in so einer Familie mit so vielen Emotionen einfach nicht nur auf unsere eigene innere Einstellung, sondern auch auf die unseres Gegenüber, also das anderen Elternteils angewiesen sind.
00:05:24: Es lohnt sich aber, es lohnt sich dran zu bleiben, es lohnt sich daran festzuhalten und es ist definitiv nie zu spät, um wieder auf unsere ganz konkrete Situation zurückzukommen, also dem Krankenhausaufenthalt nach der Lebensnierenspende an mein jüngstes Kind.
00:05:44: Was uns total geholfen hat, ist etwas, das total banal klingt und ihr wahrscheinlich aus eurem Alltag auch kennt.
00:05:52: Wir haben miteinander gesprochen.
00:05:53: Wir haben vorher miteinander besprochen, wie wir uns unseren gemeinsamen Aufenthalt hier vorstellen.
00:06:02: Denn wir sind ja im Prinzip zu dritt hier vor Ort.
00:06:06: Und die Räumlichkeiten müssen das hergeben.
00:06:10: Die Aufenthaltssituation an sich muss das hergeben.
00:06:13: Wir müssen dafür sorgen, dass wir uns gegenseitig unterstützen, uns gegenseitig entlasten.
00:06:21: Und das ist jetzt so leicht gesagt, das klingt total easy, aber das ist es einfach nicht, weil wir einfach kein Paar mehr sind.
00:06:30: Wenn Eltern Paare sind, ist das ja auch schon oft genug so schwierig.
00:06:34: Deswegen... habe ich gelernt, das für mich als Vorteil zu sehen, dass wir eben nicht mehr zusammen sind.
00:06:41: In der Vergangenheit habe ich mich tatsächlich sehr oft geärgert über meinen Ex-Partner, obwohl ich eigentlich weiß, hey, das sind Dinge, die nehme ich doch jetzt gar nicht mehr mit nach Hause.
00:06:51: Wir haben uns doch eben aus solchen Gründen getrennt, über die ich mich jetzt gerade ärgere, weil er mir nicht richtig zuhört, weil er, ja, euch fallen da bestimmt ... sämtliche Punkte ein, die eure Partnerschaften oder Ex-Partnerschaften betreffen.
00:07:07: Da müssen wir uns einfach vor Augen halten, hey, lohnt es sich, sich darüber wirklich zu ärgern, nehme ich das mit nach Hause, schlafe ich heute Nacht neben diesem Partner?
00:07:19: oder haben wir uns dann nicht emotional eigentlich schon voneinander losgelöst.
00:07:23: Das hat mir an der Stelle sehr geholfen, inhaltlich diese Themen die ich vorhin genannt habe, schneller auf einen Punkt zu bekommen.
00:07:32: Und nein, das heißt jetzt nicht, dass bei uns die rosarote Sonnenbrille aufgezogen wurde und alles total entspannt und smooth und easy immer da durchgewunken wird voneinander.
00:07:42: Und wir total easy ein Ausweg.
00:07:46: finden in jeder Situation.
00:07:48: Nein, wir haben da schon auch unterschiedliche Blickwinkel auf Themen, die auch durchaus eine gemeinsame Lösung brauchen.
00:07:55: Denn da unterscheiden wir natürlich auch, sind es Sachen, die jeder bei sich im Haushalt individuell handhaben kann oder sind es Dinge, die gemeinschaftlich über die gesamte Familie entschieden werden müssen.
00:08:07: Und da können wir auch nicht immer einfach trotzdem machen, was wir individuell wollen, weil das einfach unseren Kindern nicht gut tut.
00:08:14: Und da an der Stelle hilft es, es ist kein Allheilmittel, es hilft jedoch, zu wissen und sich vor Augen zu halten, hey, worüber streiten wir denn da überhaupt?
00:08:26: Wir beide wollen in Situationen, in denen wir eine gemeinsame Entscheidung brauchen, das Beste für unser Kind.
00:08:34: Keiner von uns steht morgens auf und sagt, so, jetzt werd ich auf dem rücken meiner Kinder heute einen Streit mit der Mutter oder dem Vater des Kindes anzetteln, einfach weil ich ihr eins reinwirken will und es mir egal ist, wie es meinem Kind am Ende des Tages geht.
00:08:53: Wir alle wollen als Eltern, dass es unseren Kindern gut geht.
00:08:58: Wir haben nur nicht alle die gleiche Vorstellung von der Definition gut und da darf auch jeder für sich komplett selbst definieren.
00:09:07: Jedoch brauchst dann halt auch, wenn es eine gemeinsame Entscheidung braucht, manchmal noch ein bisschen mehr Zeit und auch ein gewisses Entgegenkommen von beiden Elternteilen.
00:09:18: Und tatsächlich gab es da in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen so oft den Punkt, in dem ich mir Mantraartig gesagt habe, mein Gott, was für ein Vollarsch.
00:09:27: Und das hatte, ehrlich gesagt, aber eher was mit der emotionalen Ebene zu tun.
00:09:32: Denn auf der sachlichen Ebene kann ich durchaus sagen, dass dieser Mann, dieser Mensch, ein super guter Papa für unsere gemeinsamen Kinder ist.
00:09:44: Denn sie lieben ihn und er sieht ihre Bedürfnisse.
00:09:47: Jeder von uns sieht die Bedürfnisse unserer Kinder auf seine oder ihre eigene Art und Weise.
00:09:54: Das heißt nicht, dass die eine Art besser als die andere ist, aber unsere Kinder profitieren von uns beiden als Elternteile.
00:10:03: Und das ist das, was uns beiden auch sehr wichtig ist.
00:10:07: Und ich weiß, da wiederhole ich mich.
00:10:09: Es gibt aber aus meiner Perspektive auf der Welt nichts Schöneres in solchen Momenten.
00:10:16: In ganz konkreter Situation, wenn unsere Tochter sieht, meine Eltern sind beide für mich da.
00:10:22: Die wollen beide, dass ich wieder gesund werde.
00:10:25: Die geben hier alles.
00:10:26: Die wissen auch, dass es eine Ausnahmesituation ist.
00:10:30: Und sie lieben mich beide.
00:10:33: Das hilft unserer Tochter auch.
00:10:36: Und das tut ihr gut.
00:10:37: Das sagt sie und das sehen wir auch.
00:10:40: Und das zu spüren, das lässt mir wirklich das Herz aufgehen.
00:10:44: Und ich empfinde es als so entlastend in der Situation, in der ich einfach noch nicht vollständig wieder fit bin, zu wissen, hey, ich kann mich da drauf verlassen.
00:10:55: Dieser andere Elternteil, der Papa macht das nicht alles so, wie ich das machen würde, aber er macht das auch.
00:11:03: Und es gibt immer mehr als ein richtig.
00:11:06: Denn an der Stelle müssen wir uns auch mal vor Augen halten, dass eben beide Elternteile das Recht haben, mit ihren Kindern glücklich zu sein und sich auch mit ihren Kindern zu freuen, aber auch das Recht haben, sich um ihre Kinder zu sorgen.
00:11:22: Wenn wir also einander die Chance geben, auch an einem Krankenbett unseres Kindes zu stehen, ob das Kind operiert wurde oder ob es lediglich eine Magen-Damen-Infektion hat.
00:11:33: ist es eben einfach fair, wenn wir den anderen Elternteil auch aktiv mit einbinden und sagen, hey, dein Kind ist krank, wenn du in der Nähe bist, wenn du vielleicht nicht gerade auf einer Dienstreise bist, kannst du, möchtest du vorbeischauen und einfach mal kurz da sein.
00:11:50: Und wenn dann da die Absage kommt, nehmt das nicht persönlich.
00:11:54: Macht das Angebot wieder und wieder.
00:11:57: Oder weicht aus, versucht es mit einem Video-Anruf oder einem Telefonat, je nachdem, natürlich auch wie alt eure Kinder sind.
00:12:05: Aber nehmt es nicht persönlich, wenn Absagen kommen.
00:12:09: Ich weiß, wie schwer das ist.
00:12:11: Das ging mir ganz genau so.
00:12:13: Aber hakt es einfach gesagt nach einer Absage einfach ab, denkt nicht weiter darüber nach, konzentriert eure Energie dann wieder auf andere Dinge, vor allem auf euer Kind.
00:12:25: Das ist vielleicht an der einen oder anderen Stelle für euch noch zu früh, vielleicht noch zu viel verlangt, aber es könnte eine Option sein, eine Bindung für einander herzustellen.
00:12:37: Für eure Kinder.
00:12:39: So ihr Lieben, jetzt noch einmal für uns alle.
00:12:42: kurz und knapp zusammengefasst das, was ich aus den letzten Jahren für eine solche Situation mitgenommen habe.
00:12:49: Allem voran sind Vertrauen und Offenheit Ein absoluter Schlüssel in unserer Elternschaft als Teameltern.
00:13:00: Ultra wichtig.
00:13:02: Und auch hilft, wenn wir in schwierigen Momenten deutlich machen und für uns abgrenzen, hey.
00:13:11: Welche Ebene wird hier eigentlich gerade zum Thema?
00:13:14: Ist das unsere emotionale Ebene, die ehemalige Beziehungsebene, die hier gerade für uns beide oder für einen von uns ein Thema ist?
00:13:24: Oder geht es hier um unsere sachliche Teamelternebene?
00:13:28: Wenn wir dann merken, okay, wir beide stecken da gerade drin oder der andere Elternteil oder ich stecke da gerade drin, können wir alle etwas dafür tun.
00:13:39: indem wir selbst bei uns bleiben und sagen hey okay bleiben wir bitte auf der sachlichen Ebene und das ist so viel Arbeit.
00:13:47: Das braucht so viel Übung und selbst wenn wir alte Hasen als getrennte Eltern in dem Thema sind.
00:13:55: Ich merke auch immer mal wieder, dass ich nicht nur auf der Team-Elternebene bleiben kann, sondern auch einfach mal emotional werde.
00:14:06: Es gelingt dann aber immer schneller das zu merken und da wieder rauszukommen.
00:14:11: Also, Leute, gebt die Hoffnung an der Stelle nicht auf oder sagt euch nicht direkt, boah, das schaffe ich nicht, nee, das kriegen wir absolut nicht hin.
00:14:19: Tut das euren Kindern zu liebe, tut das auch euch selbst zu liebe.
00:14:24: Und der dritte und ganz wichtige Punkt haltet euch vor Augen, was eigentlich das Ziel eures Kontaktes ist.
00:14:35: Ihr wollt beide das Beste für euer Kind.
00:14:38: Ihr habt beide eure jeweils eigene Definition von dem, was das Beste für euer Kind ist, versucht das offen zu besprechen und versucht gemeinsam auf einen Nenner zu kommen.
00:14:50: Akzeptiert aber auch, dass es da eben diese unterschiedlichen Blickwinkel gibt.
00:14:55: Das klingt alles sehr, sehr leicht gesagt.
00:14:59: Es gelingt nicht immer von Anfang an und wirkt erstmal wie ein riesiger, undurchsichtiger Dschungel, den man absolut nicht durch Querenmark.
00:15:09: Auch da bleibt dran, es lohnt sich.
00:15:12: Ihr Lieben, ich gehe jetzt wieder nach meiner Tochter schauen und den Papa mal ablösen, dass er auch Mittagessen gehen kann.
00:15:20: Das Essen hier im Krankenhaus schmeckt zwar nicht wie im drei Sterne-Restaurant, aber ich finde, man kann es durchaus machen.
00:15:27: Meine Tochter hat am allerliebsten hier auf der Station die Nudeln mit der Tomatensauce und dem Käse drauf.
00:15:34: Das gehen wir uns jetzt zusammen gönnen und Ich wünsche euch, bis wir uns das nächste Mal hören, eine wunderbare Zeit.
00:15:41: Dann berichte ich auch, wie es denn aktuell um uns steht, ob wir denn schon vielleicht wieder zu Hause sind.
00:15:47: Bleib dran, hört rein.
00:15:49: Ich freue mich außerdem, wenn ihr uns ein Abo da lasst.
00:15:53: Und außerdem verlinke ich euch auch noch ein paar ältere, interessante Folgen zu diesem Thema im Umgang miteinander für uns als Eltern.
00:16:04: Schaut also gerne in die Show Notes rein.
00:16:07: Ich freue mich.
00:16:08: Wir hören uns ihr lieben.
00:16:09: Macht's gut.
00:16:09: Tschüss.
Neuer Kommentar