S4 E6 - Wachsen in der Krise – warum unser Umgang entscheidend ist

Shownotes

Hört auch gern in diese Folge rein, in der ich euch ebenfalls mitnehme, auf unserem Weg im Umgang mit unserer speziellen Situation: Ein neues Normal - Dankbarkeit hat eine neue Bedeutung](https://open.spotify.com/episode/0rshAbAv6N8Tf2Sb2HrWqT))

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00:00:00: Getrennt erziehend im Wechselmodell, Mama von Vietöchtern, Oma und gerade auf dem Weg zur Organspende.

00:00:06: Ich bin Vanessa und hier sprechen wir über alles, was sonst keiner ausspricht.

00:00:10: Über Mutterschaft, Angst, Stärke, Liebe, Krisen und das echte Leben dazwischen.

00:00:16: Willkommen bei Any Questions.

00:00:18: Hi ihr Lieben und guten Tag.

00:00:20: Schön, dass ihr dabei seid zu einer neuen Folge.

00:00:25: Ich habe euch zwar versprochen, dass in der nächsten, also heutigen Episode, Ein Update kommt nach der OP, nach der Neontransplantation von mir an meine jüngste Tochter.

00:00:38: Aber es ist erst der Tag vor der OP.

00:00:42: Ich freue mich unfassbar auf morgen und auch meine kleine Maus ist sehr, sehr aufgeregt.

00:00:49: Das merke ich auf ganz viele verschiedene Weisen.

00:00:52: Und egal in welche Richtung es dabei geht, natürlich fällt es ihr jetzt auch unter diesen Umständen, wenn sie weiß, okay, morgen ist es soweit.

00:01:02: Einfach viel schwerer, einige Medikamente einzunehmen, die sie vorher schon überhaupt nicht mochte.

00:01:08: Ja, und mich persönlich haben natürlich auch die ein oder anderen Gedanken jetzt so kurz vor diesem lebensverändernden Eingriff umgetrieben.

00:01:20: die ich unbedingt heute mit euch teilen will.

00:01:23: Denn tatsächlich ist mir gerade in den letzten Tagen ein Gedanke immer wieder gekommen, wie unfassbar stark wir Menschen sind, wie unfassbar intensiv wir kämpfen können, wie viel Hoffnung und Kraft wir eben aus unserem Lebens willen schöpfen können.

00:01:44: Aber was genau ist eigentlich das Entscheidende daran?

00:01:48: Das Entscheidende daran ist, wie wir an unsere Probleme rangehen, wie wir an unsere Päckchen rangehen, wie wir sie einfach anpacken.

00:02:01: Beeinflusst einfach so sehr, wie der Weg sein wird und auch das Ergebnis.

00:02:06: Wisst ihr, was ich meine?

00:02:07: Wir alle haben unsere eigenen Krisen und Probleme.

00:02:12: Niemand bleibt davon ausgenommen.

00:02:15: Auch wenn sie von außen oft unsichtbar erscheinen.

00:02:19: Wenn ich beispielsweise an die chronische Erkrankung meiner Tochter denke und auch den Umgang, den alle meine Kinder damit in den letzten zweieinhalb Jahren hatten, war der nicht nur davon geprägt, dass meine Kinder eben mit so viel Selbstverständlichkeit und so viel Lebensfreude einfach diese letzten zweieinhalb Jahre verlebt haben.

00:02:44: sondern auch die Offenheit, auch mit Schwierigkeiten und schwierigen Themen umzugehen.

00:02:49: Auch damit, dass wir uns alle mit dem Lebensende so intensiv auseinandersetzen mussten.

00:02:58: Und ja, von außen betrachtet hat einfach niemand meiner jüngsten Tochter angesehen, dass sie jeden Tag eine so schwere Würde mit sich tragen musste.

00:03:11: Und meine persönliche Sichtweise auf Krisen, Probleme und wie wir damit umgehen können, wurde tatsächlich am allerstärksten geprägt in dem Moment, als ich gesehen habe, wie sehr ein so kleiner Mensch mit so viel Energie für Dinge kämpft, für einen Schluck Wasser, für eine Scheibe Salami auf ihrem Brot, die für so viele dass andere Menschen in ihrem Umfeld einfach das Normal gewesen sind.

00:03:47: Denn all diese Dinge sind für mein Kind etwas so Besonderes gewesen, etwas, das sie so sehr genossen hat.

00:03:57: Und damit möchte ich nicht sagen, dass jeder Mensch eine besonders schwere persönliche Krise in seinem Leben braucht oder eine chronische Erkrankung.

00:04:10: Krisen, in denen wir gerade drin stecken, mögen für andere Menschen von außen betrachtet, weil sie eben so viel von außen Unsichtbares in sich tragen, so klein wirken, weil man da sieht, hey, was ist denn so schlimm daran, wenn du jetzt einfach keine Salami auf deinem Brot haben darfst?

00:04:31: Aber für diesen kleinen Menschen bedeutet eben diese Scheibe Salami einfach alles, denn Da wird einfach nicht gesehen, hey, es geht hier um bestimmte Werte, in deren Bereich wir uns bewegen dürfen.

00:04:45: Und damit möchte ich einfach sagen, dass jeder und jedem seine eigene Perspektive zu eigenen und fremden Krisen hat und dass uns allen eben auch diese individuellen Perspektiven zustehen.

00:05:01: Aber wir sollten aufhören einander zu... bewerten und verurteilen für die Krisen, die wir eben als solche empfinden.

00:05:13: Das steht uns einfach nicht zu.

00:05:15: Das ist etwas, das wir nicht nur für uns, sondern auch für andere tun können.

00:05:21: Denn wie wir andere Menschen in ihren Krisen sehen und respektieren, beeinflusst auch, wie wir in unseren Krisen.

00:05:30: Nicht nur.

00:05:30: wahrgenommen werden, sondern wie gnädig wir auch selbst zu uns sind.

00:05:34: Denn wir neigen auch sehr häufig dazu, uns selbst klein zu machen in Krisen.

00:05:39: Und das ist fatal.

00:05:41: Wenn wir die Krise, in der wir gerade stecken, die für uns unüberwindbar scheint, die für uns so groß erscheint und selbst auch noch so viel kleiner machen, wirkt alles in dieser Krise unmöglich zu bewältigen.

00:06:00: Und was ich ganz persönlich bei meinen Kindern beobachten konnte, war, dass ein positiver Umgang miteinander, im Alltag, auch wenn wir angespannt sind, wenn wir uns einfach gegenseitig auch grundlos ein Lächeln geschenkt haben, wirkte jede noch so schwere Situation einfach viel leichter.

00:06:27: Und nein, das bedeutet nicht, dass wir unsere Probleme dann ignoriert und einfach weggelächelt haben, sondern dass wir uns gegenseitig in die Augen schauen konnten und uns dann fest umarmt haben und gesagt haben, hey, wir haben uns, wir halten zusammen und wir schaffen das.

00:06:46: Ganz egal, wie schwer der Weg wird und wohin er uns führen wird, denn da waren einfach in der Vergangenheit Und es liegen auch immer noch so viele verschiedene Ausgangssituationen vor uns.

00:07:02: Aber wir sind Ihnen schon so weit gegangen, wie wir eben gekommen sind.

00:07:08: Und wir haben diesen Weg glücklicherweise zusammengehen dürfen.

00:07:14: Und deswegen ist das auch so wichtig, Hilfe von außen anzunehmen und uns auch bewusst zu machen, dass wir nicht jedem Zutritt zu unserem Leben gewähren sollten.

00:07:25: sondern Menschen, die wirklich einen positiven Einfluss auf uns haben.

00:07:31: Denn das ist so maßgeblich, dass wir eben keine unnötige Energie in Menschen und Konflikte stecken, die wir gar nicht bewältigen wollen, weil sie uns zu viel kosten und Menschen, mit denen wir überhaupt nicht zusammen sein sollten, weil sie uns Einfach in einer schweren Situation, in der wir vielleicht eh schon stecken, nur noch mehr runterziehen.

00:07:59: Deswegen sollten wir die Menschen, die uns eine Schulter zum Anlehen und ein Lächeln schenken, in solchen Sperrenzeiten, umso mehr schätzen.

00:08:12: Und um noch ein ganz, ganz wichtiges Learning für mich und auch für euch in Worte zu fassen, das Ziel dass wir erreichen, ist nicht immer das, was wir uns am Anfang unseres Weges ausgemalt haben.

00:08:29: Aber es fühlt sich in manchen Situationen einfach nach genau dem richtigen Ergebnis an.

00:08:37: Und das ist entscheidend.

00:08:39: Nicht einfach das zu erreichen, was wir physisch oder geistig eines Tages, als wir den Weg gestartet sind, auf den Zettel geschrieben haben.

00:08:51: Ihr Lieben, um das alles nochmal für euch, für mich zusammenzufassen, was ich einfach gerne mit euch teilen möchte, wenn wir in Krisen stecken, wenn wir Probleme haben, schwierige Lebensphasen, die einfach endlos erscheinen, die uns so sehr prüfen, dass ein problemloses Leben uns nicht automatisch glücklicher oder stärker macht.

00:09:20: Das wirkt manchmal so, weil alles so leicht bei den anderen von außen aussieht, aber auch die haben ihr Päckchen zu tragen.

00:09:28: Wenn wir nie lernen, mit Herausforderungen umzugehen, werden wir auch nicht weiterreifen.

00:09:34: Schwere Zeiten sind absolute Lernzeiten.

00:09:38: Geduld, Demut und Dankbarkeit und Durchhaltevermögen sind nicht unbedingt das, was wir sofort greifen können, aber wenn wir zurückblicken.

00:09:50: Und da dürfen wir auch einfach mal stehen bleiben auf unserem Weg und demütig zurückschauen, was wir schon alles geschafft haben.

00:10:00: Und auch, dass wir durch Krisen erst den Wert von Kleinigkeiten erkennen.

00:10:08: Ruhe, Gesundheit, Zeit oder ein ehrlich gemeintes Lächeln sind.

00:10:16: die größte Unterstützung in schweren Zeiten, denn die kann man nicht einfach so kaufen.

00:10:23: Die sind so kostbar.

00:10:25: Und es ist auch überhaupt nicht entscheidend, was genau das Problem ist, sondern wie wir damit umgehen.

00:10:35: Nämlich unsere Haltung bestimmt, ob wir wachsen, stehen bleiben oder daran zerbrechen.

00:10:43: Unsere Reaktionen weisen uns den Weg, wie wir mit Schwierigkeiten umgehen, formt unseren Charakter und beeinflusst, wohin wir gehen und wer wir da sein werden.

00:10:59: Und zu guter Letzt mein absolutes Learning daraus ist, dass jede Herausforderung immer eine Richtungsfrage in sich trägt.

00:11:10: Also lassen wir uns von ihr leben oder lassen wir uns von ihr verändern.

00:11:17: Auch wenn sich diese Veränderung oft erst in Schmerz zeigt.

00:11:22: So ihr Lieben, das waren jetzt noch ein paar letzte Gedanken und für mich auch in der Vergangenheit richtungsweisende Momente noch einmal für euch zusammengefasst, die ich auch so gerne mit euch teile vor unserer großen und richtungsweisenden.

00:11:44: Ich freue mich einfach so sehr für mein Kind, dass dann in einen neuen Lebensabschnitt und Lebensweg starten darf.

00:11:52: Ich bin so dankbar, dass wir diese letzten zweieinhalb Jahre erleben durften, auch wenn ich in dieser Zeit so oft gedacht habe, warum wir, warum meine Kinder, warum meine Tochter.

00:12:08: Ich bin im Nachhinein so dankbar für all die Dinge.

00:12:12: die ich jetzt einfach viel deutlicher vor mir sehen kann.

00:12:16: Jetzt halte ich mich aber an meine eigenen Erfahrungen und auch Werte, die ich gerne auch mit euch teile und nehme mir noch etwas Zeit für mich selbst, werde jetzt noch einen letzten Tee trinken, denn in nicht allzu langer Zeit werde ich weder Nahrung noch Flüssigkeit zu mir nehmen dürfen und nicht dann bleiben müssen, weil ... dann die OP auch bald losgeht.

00:12:44: Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit und freue mich sehr, wenn ihr nächstes Mal mit dabei seid.

00:12:51: Falls ihr es noch nicht getan habt, mir ein Abo da lasst.

00:12:54: Bewertet den Podcast auch gerne.

00:12:57: Und alle, die schon ganz viel länger dabei sind, freue ich mich natürlich auch, wenn ihr nächstes Mal wieder mit einschaltet.

00:13:05: Bis dann, ihr Lieben.

00:13:07: Tschüss.

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